Therapie am und mit dem Pferd
Hier bei uns in der Academie, gibt es in den verschiedensten Formen Therapiereiten. Gruppenstunden, Einzelstunden, manchmal wird das Pferd auch nur gepuzt und sich mit diesem beschäftigt (auch das ist schon ein therapuetischer Ansatz, Berührungsänste werden hier angegangen), je nach dem wie es dem Patienten an dem Tag geht.
Die Reitacademie bietet Therapiestunden für jung und alt an.
Jeden Montag kommt der Auenof, eine Wohn – und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit Assistenzbedarf mit rund acht Mitgliedern, es varieiert immer ein bisschen, zu uns in die Academie.
Es ist ganz unterschiedlich was wir mit ihnen machen. Das hängt davon ab wie ihr körperlicher Zustand ist. Mit manchen kann man problemlos einen geführten Ausritt machen. Mit anderen muss man sich darauf konzentrieren ihre sitzfähigkeit auszubauen.
Das Ziel, an so einem Montag ist es für uns, die Auenhöfler ein bisschen aus ihrem Alltagstrott zu holen, ihnen Abwechslung zu schenken und sie herauszufordern ihre körperlichen und geistigen Grenzen zu testen und zu erweitern.
Sehr faszinierend finde ich wie die Pferde auf diese Therapierstunden reagieren und sich währendessen benehmen. Natürlich haben wir speziell ausgebildete Therapiepferde, doch heißt das noch gar nichts.
Unser Samurai zum Beispiel.
Ein süddeutsches Kaltblut.

Während der Therapiestunden, trägt er keiner Fliege ein Leid zu und ist das brave Pferdchen schlicht weg. Er steht seelenruhig da und wartet bis der Patient aufgestiegen, richtig im Sattel sitzt und bereit ist loszureiten. Von keiner Plane, keinem Hund oder Traktor der vorbeifährt, lässt er sich während der Therapie aus der Ruhe bringen.
Doch wenn er geritten wird und es sich nicht um eine Therapiestunde handelt, da kann er auch ganz anders.
Ich habe es selbst erlebt und man hat mich noch vorgewarnt.
Ich war mit ihm ausreiten. Bei der Hälfte des Ausritts, ist ihm plötzlich in den Sinn gekommen, dass er keine Lust mehr hat. Er hat sich umgedreht und ist mit mir zwischen zwei Weinfeldern die Wiese hochgelaufen. Ich konnte machen was ich wollte, ich hatte die Kontrolle verloren. Zu meinem Glück war ich nicht alleine unterwegs und so konnten mich die Anderen wieder aufsammel und mitnehmen.
Ich nehme Samurai das (kleine Fauxpas während des Ausritts) überhaupt nicht übel und wenn ich besser reiten könnte, dann wäre das wahrscheinlich auch nicht passiert. Aber ich finde es spannend, wie er zwei so unterschiedliche Seite in sich trägt und genau weiß wann er sich solche Aktionen wie bei mir auf dem Ausritt leisten kann und wann nicht.

Eine Frage die man vielleicht auch noch zu erwähnen ist: WARUM sollte Behindertensport gefördert werden?
Meine Antwort: WARUM NICHT ?!
Behindertensport ist auch „nur“ Sport. Und der Mensch braucht Sport. Wir können uns dabei so richtig auspowern und den ganzen Stress verschwitzen, der sich im Alltag so ansammelt oder unseren Kopf auf andere Gedanken bringen. Und es ist auch eine Tatsache, dass es der Gesundheit nicht schadet sich zu bewegen.
Aber ich bin der Meinung, dass gerade für hilfsbedürtige Menschen der Sport sehr wichtig ist. Er hilft bei der Erhaltung und Förderung der verbliebenen Körperfunktionen und diehnt als Bewegungstherapie (u.a. Rehabilitaion). Der Mensch mit assistenzbedarf kann lernen mit seinen Behinderungen umzugehen und sie vielleicht auch zu überwinden.
Der Sport bringt Freude und das Gefühl der Zugehörigkeit. Außerdem Stolz und Anerkennung wenn man etwas neues vollbringen kann oder ein Tunier, Spiel oder Wettkampf gewonnen wurde.
Ich finde auch, dass Sport noch mehr gefördert werden sollte. Aber nicht die Art von Sport bei der es nur um die Figur und das Gewicht geht, sondern der Sport bei dem die Gesundheit an erster Stelle steht und der Körper als ein wertvolles Instrument betrachtet wird, dass schonend, ausgeglichen und gut behandelt werden muss.
Zum Schluss noch eine kurze, sehr beeindruckende Geschichte.
Ich habe einen Jungen kenngelernt.
Die Ärtze hatten ihn kurz nach der Geburt eigentlich schon aufgegeben …
Doch er hat überlebt.
Dann, gaben ihm die Ärtze nur wenige Jahre und sagten, dass er das Kindesalter nicht überleben würde…
Doch er entschied sich dazu, dass das Leben doch viel zu schön ist um einfach zu gehen.
Inzwischen besucht er die 8. Klasse, an einer normalen Realschule.
Die Ärtze sagten auch, dass er ein schwerer Pflegefall sein würde und das Bett nicht verlassen könnte…
Mit der Hilfe von einer Art Rollator, ist es ihm möglich zu gehen und reiten kann er fast besser als ich.
Er hat einmal gesagt, dass er irgendwann in der Lage sein wird, ganz normal zu gehen.
Und wisst ihr was?
Ich glaube ihm!
Aufgeben gibts in seinem Universum nicht. Auch wenn das vielleicht heißt, dass sich seine Hand so stark verkrampft, dass er sie nicht mehr bewegen kann, nur weil er die Zügel beim reiten richtig halten möchte.
Ich habe noch nie einen Menschen kennengelernt, der trotz seiner körperlichen Einschränkungen so eine Lebensfreude an den Tag legt. Den Tag an dem er keinen einzigen Witz gerissen oder gelacht hat, habe ich bis jetzt noch nicht erlebt und ich glaube auch nicht, dass dieser Tag so bald kommen wird.